Here are some samples of some of my Shootings with Pit
Pit Buehler schreibt von mir:
Jacqueline „Jay” Fuchs wuchs in der
ländlichen Schweiz auf, in einem Haus, in
dem Befehle lauter waren als Gespräche. Der
Vater – ein Patriarch alter Schule, roh,
dominant. Nähe war selten, Wärme ein
Fremdwort. Heute besteht zum Elternhaus
kaum noch Kontakt, auch nicht zur
Schwester. Familie ist eine Sprache, die sie
längst verlernt hat. – Früh lernte sie, allein zu
stehen und jede Abhängigkeit zu meiden. Als
Frau will sie gesehen werden, aber zu ihren
Bedingungen. Ihre Muskeln sind keine Mauer
gegen Weiblichkeit, sondern eine andere
Architektur dafür. Schönheit, Sinnlichkeit,
Sensibilität – alles vorhanden, nur nicht in der
Verpackung, die das Hochglanzmagazin
bevorzugt. Beziehungen hatte sie nur mit
Männern, meist kompliziert – Nähe war nie
selbstverständlich, sondern immer etwas,
das erkämpft werden musste.
Unser erstes Treffen liegt fast fünfzehn Jahre
zurück. Sie kannte meine Arbeiten und wollte
mit mir zusammenarbeiten. Wir verabredeten
uns in einem Café in Zug. Als Jay den Raum
betrat, war es, als veränderte sich die
Gravitation. Gespräche stockten,
Espressotassen verharrten in der Bewegung.
Man fragte sich: Mensch? Frau? Statue?
Fake? Ich war fasziniert – die Chemie
zwischen uns stimmte sofort. Meine
Vorstellungen für eine Zusammenarbeit
waren simpel: keine klassischen
Bodybuilding-Posen, kein Muskelzirkus –
sondern etwas, das überrascht, das
provoziert. Jays Augen leuchteten – genau
ihr Terrain.
Ich wollte keine Ketten, keine Fitnessstudio-
Kulisse, sondern etwas Verrücktes. Also bat
ich sie, zum ersten Shooting einen rohen
Tintenfisch mitzubringen – irgendwie
passend: Sie ernährt sich fast ausschließlich
von Fisch, lebt in einer Symbiose aus Protein
und Disziplin. Der Tintenfisch als Metapher
für Verwandlung – halb Mensch, halb
Meereswesen. Meine Make-up-Artistin war
weniger begeistert, als die Tentakel den Weg
auf Jays Kopf fanden und Öl über den
Muskelreliefs glänzte. Jay? Sie lachte, als
hätte ich ihr ein Geschenk gemacht. Einige
Stunden nach dem Shooting schrieb sie mir,
sie habe den Oktopus verspeist – er habe
vorzüglich geschmeckt. Ich fand das bizarr,
aber konsequent.
Über die Jahre entstand so eine Serie, die
näher an Performancekunst als an
Sportfotografie liegt. Jay taucht darin auf wie
eine Figur aus einem Gemälde: in schwarzer
Bodypaint, eine Lilie in der Hand, Caravaggios
Engel der Apokalypse. Mit einem
Schweineherz in der Faust und einer
gemalten Narbe auf der Brust – eine
Szenerie, die Francis Bacon kaum brutaler
hätte entwerfen können. Ein anderes Mal
hinter Glas, verschwommen wie ein Standbild
aus einem europäischen Arthouse-Film. Oder mit verdorrten Blumen, Federn, einer Jesus-
Statue – Vanitas-Symbole, die an die Altäre
von Bosch oder Rembrandt erinnern. Jedes
Bild weniger Dokument als Vision, eine
Verdichtung von Mythos, Fleisch und Malerei.
Jay zählt zu den zehn muskulösesten
Bodybuilderinnen der Welt, ist ehemalige
Thaibox-Weltmeisterin und ausgebildete
Konditorin. Sie ist eine Frau, die sich weigerte,
sich von „Sugar Daddys” oder
fetischbesessenen Typen ausnutzen zu
lassen. Stattdessen putzte sie
Treppenhäuser, stand nachts an Tankstellen,
lebte zeitweise in besetzten Häusern ohne
Strom und fließend Wasser.
Jays Körper ist Kapital und Kunstwerk
zugleich, geformt mit der Konsequenz, mit
der Michelangelo einst den David aus dem
Marmor schlug – ein lebendes Relief. Ihre
Brust fühlt sich an wie ein in Leder gehüllter
Amboss, jede Ader präzise wie mit dem
Pinsel eines alten Meisters gezogen. Frauen
mit Muskeln sind nicht mein Fetisch, auch
wenn mich die Ästhetik dieser Körper und
das schiere Ausmaß an Schweiß und
Disziplin faszinieren. Bodybuilding auf
diesem Niveau trägt den süßen und
gefährlichen Beigeschmack einer Droge –
eine Spirale, die sich immer weiter dreht,
ohne Ausstieg.
Die Vorbereitungen auf Wettkämpfe sind ein
Selbstmord auf Raten: monatelanges Fasten,
verbotene Substanzen, exzessives trainieren,
das Immunsystem im roten Bereich. Und
dann die Preisverleihungen – oft mehr
Theater als Wettbewerb, ein abgekartetes
Spiel, Preisgelder ein schlechter Witz. Sie
lächelt trotzdem – was sollte sie auch sonst
tun, wenn Aufhören keine Option ist.
Irgendwann kam der Ruf der Filmwelt: Jay
Fuchs in der Hauptrolle des surrealen Body-
Horror-Films Body Odyssey, an ihrer Seite die
Filmgröße Julian Sands. Es folgte ein
Abstecher ins groteske Heimatkino mit dem
Trashfilm Mad Heidi und eine Nebenrolle in
der Schweizer Serie Malony. Man möchte
glauben, dass die Scheinwerfer ihr endlich die
Anerkennung geben, die der Sport verweigert
hat.
Doch auch heute höre ich in ihren
Sprachnachrichten manchmal das Zittern
zwischen den Zeilen. Sie bleibt optimistisch,
sicher, dass sich „zur richtigen Zeit eine Tür
öffnet”. . Vielleicht tut sie das ja. Verdient hätte
sie es – schon lange. Jay wird trotzdem
weiter posieren – ob mit Lilie, Tintenfisch
oder Feder. Die Show must go on…
Unsere Freundschaft bleibt. Wir sehen uns,
wenn Zeit und Lust zusammenfallen, erfinden
neue Bilder, wobei oft mehr entsteht, als wir
geplant hatten. Nebenbei halten wir fest, wie
sich ihr Körper verändert – feiner, härter,
weicher, alles zugleich. Botox,
Haartransplantation, frische Tattoos, kleine
Eingriffe, große Gesten. Nichts steht still.
Am Ende ist Jay nicht nur Muskel, sondern
ein Unikat, eine Nonkonformistin – wie eine
Skulptur von Rodin: kraftvoll, verletzlich, vom
Leben gezeichnet.
His wonderful work can be seen on his Homepage and on exhibitions all over the world.


